Jochen Sachse –
Schifffahrt als Beruf und Berufung
Biografie
Frachtschiff "R.C. RICKMERS" 1961
Frachtschiff "HAMMONIA" im Hambuger Hafen, 1966
Containerschiff "ELBE" (Detjen) vor Sri Lanka, 1979
MS "SOCIETY ADVENTURE" in Polynesien, 1991
Klein- Jochen träumt vom Meer, um 1934
"Weißer Jahrgang" 1930
Schulbeginn in Bautzen/ Sachsen ca. 1937
in den 1960er Jahren
Auf der Fähre nach Langeland/ Dänemark, 1968
Bei der Arbeit...
... in seinem Atelier ca. 1978
"Art Maritim / Hanseboot"-Messe Hamburg in den 1980er-Jahren
Mit Prof. Peter Tamm auf der "GORCH FOCK"
Bildübergabe unter Deck
ca. 1985
Mit Frau Sibylle bei der
Schiffbautechnischen Gesellschaft e.V. (STG)...
... und privat
Heimspiel: das Bild der "RICKMER RICKMERS" im Hamburger Hafen
Auch nach der Pensionierung bei Sulzer / Escher Wyss noch interessierter Teilnehmer der Messe
"Schiff & Maschine", Hamburg
ca. 2006
Bildübergabe bei den Brüdern Bertram und Erck Rickmers
50jähriges Dienstjubiläum der GORCH FOCK am 20.6.2008
Foto © H. Otto, Hamburg
"An Land" im Sommer 2010, umgeben von den geliebten Vierbeinern
Kindheit, Jugendjahre und Ausbildung
Jochen Sachse wurde am 8. April 1930 auf dem Rittergut Gleina bei Bautzen/Sachsen geboren. Von 1935 bis 1939 verbrachte die Familie regelmäßig die Sommerferien in Swinemünde an der Ostsee. Die dortige maritime Atmosphäre begeisterte den Knirps über alle Maßen – er wurde geprägt fürs Leben und begann mit gerade acht Jahren, Schiffe zu zeichnen. In Bautzen verbrachte er die Kriegs- und Nachkriegszeit als Schüler und Lehrling.
Nach dem Abitur erlernte er den Beruf des Kraftfahrzeugmaschinenschlossers. 1952 ging es erstmalig „zur See": eine einmonatige Reise mit dem Motorschiff TANGER der damaligen OPDR (Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffs-Reederei) diente als Praktikum für die Aufnahme des Studiums an der Technischen Hochschule in Berlin 1953. Der 23-jährige Maschinen-Assistent studierte Schiff- und Schiffsmaschinenbau, das Studium endete 1960 mit dem Diplom als Wirtschaftsingenieur.
Für diesen Abschluss belohnte er sich selbst mit einer sechs Monate dauernden Reise auf einem Schiff der Hamburger Reederei Rickmers, der ETHA RICKMERS. Aus dem Beruf des Ingenieurs ergab sich auf diese Weise seine ganz spezielle Berufung: der junge Schiffbauer mit allem Verständnis der funktionalen Abläufe wurde ein Künstler, der sowohl die Technik als auch die maritimen Stimmungen ihrer Einsatzgebiete festhalten wollte – und konnte.
Die Malerei hat ihn von jeher fasziniert, eine Kunstschule konnte er nie besuchen. Zu seinen künstlerischen Vorbildern zählten die Marinemaler Walter Zeeden (1891–1961), Claus Bergen (1885–1964), der Amerikaner Carl G. Evers (1907–2007) sowie der Franzose Marin Marie (1901–1987).
Auf dem Weg zur eigenen Bildsprache
Während eines Praktikums auf der Deutschen Werft in Hamburg 1951 konnte der Schiffbau-Student erstmals ein Bild an den damaligen Inhaber der Horn-Linie, Erich Müller-Stinnes verkaufen, es war ein Tempera-Gemälde der "MS HORNLAND".
Dieser wachsende Erfahrungsfundus wurde wichtig für ihn, auch angesichts der neuen Herausforderungen an die Marinemalerei: immer häufiger wünschten die Auftraggeber Darstellungen ihrer neuen Schiffe, welche sich bis dato noch in der Planung befanden – Jochen Sachse nutzte die Gunst der Stunde. Er arbeitete mit den Konstruktionsplänen der Schiffe, also mit Generalplan, Linien- und Spantenrissen. Mithilfe der zentralperspektivischen Geometrie sowie dem Abgleich bereits schon existierender Modelle wurden zunächst Vorzeichnungen erstellt, die die Grundlage für die detail- und farbgenauen Gouache-Zeichnungen bildeten.
Sachse war von 1968 bis 1994 Leiter des Hamburger Büros der Schweizer Firma Sulzer Escher-Wyss, welche u. A. Schiffs-Verstellpropeller produzierte und vertrieb. So wurden Haupt- und Nebenberuf zur perfekten Symbiose: gut die Hälfte der von ihm gemalten Schiffe hatte eine Escher-Wyss-Anlage eingebaut.
Es entstanden unverwechselbare Schiffsportraits, die oft mehr vermitteln als die Fotografie. Jochen Sachse sagte einmal, er könne „die Komposition von Schiff, Licht und Wetter frei wählen“. Dies erlaubt Freiheiten, schließt aber die korrekte Wiedergabe mit ein. Auf diese Weise gelangen lebendige Zeugnisse aller erdenklichen Schiffstypen.
Alle Schiffe dieser Welt
Auf Sachses Bildern finden sich Passagierschiffe, Fähren, Ro/Ro–Schiffe, Stückgut- und Schwergutfrachter, Kühl– und Containerschiffe, Öl- und LNG-Tanker, Massengutfrachter sowie private Segel- und Motoryachten. Auch kleineren Spezialschiffen widmete Jochen Sachse sein Interesse: Vermessungs- und Polarforschungsschiffe, Schlepper, Versorger, Heckfänger oder Saugbagger, Küstenwachboote und Seenotretter sowie verschiedene Fregatten- und Korvettentypen, Unterseeboote und Zerstörer.
Die jahrzehntelange Arbeit für die Bundesmarine wird ausführlich durch die Broschüren zur Indienststellung der Schiffe dokumentiert. Darüber hinaus wurden Sachses Schiffsbilder in verschiedenen deutschen wie auch internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht sowie in vielfältigen Ausstellungen gewürdigt.
Mitten in einer neuen, fast fertiggestellten Arbeit endete das erfahrungsreiche Leben von Jochen Sachse am 3. Januar 2013. Getragen von seiner Liebe zu Beruf und Berufung, aber auch zu seiner Familie und langjährigen Freunden lebt sein Werk auf diesen Seiten weiter. Es vermittelt eine Welt der Seefahrt und der Schiffbauindustrie bis über die Jahrtausendwende hinaus, die in den 1980er Jahren durch gewaltige Überkapazitäten in die Krise geriet und sich seitdem stark verändert hat.
Vielleicht entdecken Sie beim Stöbern Ihr persönliches Souvenir des Marinemalers Jochen Sachse.